Gesehen, gelesen, gehört | Heiko Raue

Gesehen, gelesen, gehört

Beistand ist die Kunst, so zu schauen, dass ein Mensch beginnt, sich selbst wieder zu sehen.

Manchmal beginnt ein Gedanke bei etwas, das andere geschaffen haben — ein Theaterabend, ein Video, ein Buch, ein Konzert. Diese Essays erzählen, was davon mit nach Hause kam.

Halten, ohne festzuhalten
Nach einem Theaterabend: "Weltwärts" von Noah Haidle

Manche Theaterabende gehen mit einem nach Hause. Vor einiger Zeit habe ich „Weltwärts“ von Noah Haidle gesehen – die Geschichte einer unheilbar kranken jungen Frau, die sich für einen selbstbestimmten Tod entscheidet und mit ihrer Familie eine Abschiedszeremonie gestaltet. Der Abend gibt keine einfachen Antworten. Er zeigt menschliche Nähe: mitten in Angst, Abschied, Streit, Humor, Liebe und Überforderung.

Im Mittelpunkt steht Anna. Sie möchte ihr Leben und ihr Sterben zu ihrem eigenen machen – gesehen werden, nicht nur als Kranke, sondern als Mensch mit Geschichte, Sehnsucht, Schuld, Angst, Liebe und Würde. Am Ende versucht sie nicht, ihr Leben zu erklären oder zusammenzufassen. Sie dankt. Für die Menschen. Für die gemeinsame Zeit. Als wäre das, was bleibt, nicht die Geschichte eines Lebens, sondern die Verbundenheit, die darin entstanden ist.

Ihre siebenjährige Tochter Rose fragt immer wieder: „Was werden Deine letzten Worte sein?“ Darin steckt etwas sehr Menschliches – die Sehnsucht, dem Abschied Bedeutung zu geben, den geliebten Menschen nicht einfach verschwinden zu lassen. Und Rose spricht davon, dass ein Mensch nach seinem Tod weiterlebt: in Erinnerungen, Gesten, Stimmen, im Wind, im Regen. Dass uns nicht die Schwerkraft zusammenhält, sondern Liebe. In der Seelsorge suchen Menschen oft genau das – die Gewissheit, dass jemand bleibt, auch wenn er geht.

Eine zentrale Figur ist Annas Mutter Dorothy, eine Hebamme, die später auch Sterbende begleitet hat. Sie sagt, dass Menschen am Anfang und am Ende des Lebens oft dasselbe brauchen: Ruhe, Sicherheit, Nähe – jemanden, der die Angst mitträgt. Und ausgerechnet sie, die so klar über das Loslassen sprechen kann, kommt an die Grenze ihrer eigenen Haltung, als es um die Tochter geht. Plötzlich ist sie nicht mehr Begleiterin, sondern Mutter: „Als Mutter ist meine Aufgabe, Dich festzuhalten und zu beschützen.“ Gerade darin lag für mich eine große Wahrheit. Es gibt Momente, in denen Menschen trotz aller inneren Klarheit einfach lieben, festhalten, nicht verlieren wollen.

Annas Schwester versucht, den Wunsch ihrer Schwester zu respektieren – und kämpft zugleich verzweifelt dagegen an: „Ich will Dich loslassen. Aber ich will mehr Zeit.“ Diese Gleichzeitigkeit wirkte auf mich sehr wahr. Menschen können lieben und festhalten wollen. Sie können verstehen – und dennoch protestieren. In der Telefonseelsorge begegnet uns diese Ambivalenz immer wieder: bei Krankheit, Trennung, Sterben und anderen existenziellen Krisen.

Auch die anderen Figuren des Abends erzählen davon, was hinter dem Sichtbaren liegt – hinter der Härte eines Polizisten die Trauer eines Sohnes, hinter dem anstrengenden Verhalten eines Nachbarn die Einsamkeit, hinter Humor und Ritual der Versuch, Angst und Schmerz gemeinsam zu tragen.

Und dann ist da der Geigenlehrer Louis mit seiner Liebeserklärung: „Ich will Dich nicht festhalten. Wenn das Dein Weg ist, lasse ich Dich los.“ Gerade weil darin kein Besitzanspruch mehr lag, sondern Liebe und Freiheit zugleich, hatte diese Szene große Tiefe.

Ein Gedanke blieb mir vom ganzen Abend: Liebe lässt los – und will doch halten. Menschen wollen gesehen, gehalten und erinnert werden – und sie wollen einander freigeben. Das ist fast ein Widerspruch – und doch keiner. Vielleicht ist genau diese Spannung der Kern von Begleitung: jemanden halten, ohne ihn festzuhalten.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Menschen in diesem Stück sind nicht nur traurig. Sie lachen, streiten, essen gemeinsam, erinnern sich, gestehen Schuld, haben Angst – und hoffen trotzdem weiter. Bei der Abschiedszeremonie am Ende stand nicht Perfektion im Mittelpunkt, sondern Beziehung. Nicht das richtige Wort – sondern das Dasein.

Vieles daran hat mich an unsere Arbeit erinnert. Oft geht es in der Telefonseelsorge nicht darum, Antworten zu haben oder Probleme zu lösen. Sondern darum, Menschen in existenziellen Momenten beizustehen – zuzuhören, mit auszuhalten, Würde zu bewahren und dazu beizutragen, dass sich jemand weniger allein fühlt. Vielleicht gehört genau das zum Wertvollsten, was wir tun können.

Für die, die bleiben
Nach einem Konzertabend.

Ein Requiem ist eine Totenmesse. Ich saß im Konzert und wartete auf die Worte, die dazugehören: die Bitte um ewige Ruhe, das Gericht, den Tag des Zorns. Stattdessen hob der Chor ganz leise an, und die ersten Worte galten nicht den Toten. Sie galten denen, die zurückbleiben: Selig sind, die da Leid tragen.

Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was da geschieht. Brahms hat die Texte selbst zusammengestellt, und er hat weggelassen, was einer Totenmesse sonst ihr Gewicht gibt – den Zorn, das Urteil, die Fürbitte für die Seelen. Es bleibt keine Antwort auf die Frage, warum. Die Musik wendet sich um: weg von den Toten, hin zu den Trauernden.

Ich kenne diese Umwendung aus Gesprächen. Wenn ein Mensch einen Verlust erlitten hat, liegt die Versuchung nahe, über den Tod zu sprechen – ihn einzuordnen, ihm einen Sinn zu geben, das Warum zu beantworten. Aber auf das Warum gibt es keine Antwort, die trägt. Was trägt, ist etwas anderes: dass jemand sich denen zuwendet, die bleiben.

Vielleicht ist das der Unterschied, den ich an diesem Abend gehört habe. Erklärung spricht über etwas. Trost spricht zu jemandem. Ich will euch trösten, wie Einen seine Mutter tröstet, heißt es später im Requiem. Eine Mutter erklärt nichts. Sie ist da, und ihre Stimme genügt – oft bevor das Kind die Worte überhaupt versteht.

Auffällig ist auch, was der Trauer dabei nicht geschieht: Sie wird nicht ausgeredet. Die mit Tränen säen – die Tränen werden nicht korrigiert, nicht abgekürzt, nicht überstimmt. Sie bekommen Zeit, bis aus ihnen etwas anderes werden kann. Trost kennt keine Eile.

Später las ich, dass Brahms selbst gesagt haben soll, er hätte das Werk auch ein menschliches Requiem nennen können. Genau so hatte es geklungen: wie eine Musik, die den Tod nicht beantwortet, sondern bei denen bleibt, die ihn tragen müssen.

Als der letzte Satz verklang, war es dasselbe Wort wie am Anfang: selig. Zuerst hatte es denen gegolten, die Leid tragen. Jetzt, ganz am Ende, den Toten. Als hätte die Musik gewusst, dass der Weg nur in dieser Richtung geht.

Nach einem Konzertabend mit Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem op. 45 – Texte aus der Lutherbibel, vom Komponisten selbst ausgewählt.

Neben dem Bildschirm
Bei einem Kongress.

Ein internationaler Kongress unserer Arbeit, in einer Stadt ein paar Länder weiter. Das Thema in diesem Jahr: die menschliche Berührung – was sie ausmacht, was sie kann, und ob eine Maschine sie ersetzen kann. Wir konnten nicht hinfahren. Also saßen wir zu fünft in unserem Gruppenraum, anderthalb Tage lang, vor einem Bildschirm, auf dem der große Saal zu sehen war. Ein paar von unseren Leuten waren wirklich dort. In den Kameraschwenks über die Reihen haben wir nach ihnen gesucht. Gefunden haben wir sie nicht.

Die Vorträge kamen aus vielen Ländern. Ein Hirnforscher erzählte von Fasern in der Haut, die nur auf sanfte Berührung reagieren – von der sechzehnten Lebenswoche an, und noch mit achtzig Jahren. Anderthalb Tage ging es um Nähe und Haut und um die Frage, ob sich Zuwendung berechnen lässt. Ob sie es lässt, weiß ich nach diesen Tagen nicht.

Im Raum selbst ging es unterdessen menschlich zu. Eine Kollegin kam vorbei, die an diesem Tag ihren letzten Dienst am Telefon hatte. Jemand erzählte von einem jungen Anrufer, den ausgerechnet eine KI an uns verwiesen hatte. Es wurde eingeschenkt, notiert, gelacht, widersprochen. Bücher wanderten über den Tisch.

Erst in der Abschlussrunde sagte eine von uns, was anderthalb Tage vor unseren Augen gelegen hatte: dass wir hier zu fünft gesessen und uns ausgetauscht haben – das sei sie ja, die menschliche Berührung. Sie sagte es beiläufig. Vielleicht war es der genaueste Satz dieser anderthalb Tage.

Das ist kein Einwand gegen den Kongress. Die Vorträge waren gut, und wir werden lange davon zehren. Aber das Thema selbst war auf dem Bildschirm nicht zu sehen. Es saß daneben – am Tisch, mit Kaffee, mit einem letzten Dienst, mit Widerspruch. Auf der Bühne wurde die Berührung verhandelt. Im Raum ist sie geschehen.

Am Ende der Runde habe ich mich bedankt. Nicht für die Vorträge – die kamen von weit her und konnten uns nicht hören. Sondern dafür, dass wir das zusammen machen konnten.

Sag sowas nicht
Nach einem Theaterabend.

Wir waren im Theater, in einem Stück über eine Familie. Ein Siebzehnjähriger geht nicht mehr zur Schule; die Eltern, getrennt, tun alles: Er zieht zum Vater, bekommt ein neues Zimmer, eine neue Schule, eine Jacke für die Party. Der Vater sagt Sätze, die jeder Vater sagt. Das gehört zum Leben dazu. Das muss man überwinden. Du schaffst das. Und wieder und wieder, wie ein Refrain durch den Abend: Alles wird gut.

Einmal sagt der Junge zu seiner Mutter, er wolle, dass das aufhört. Sie zieht ihn an sich und sagt: Sag sowas nicht. Sag sowas nie. Es ist der zärtlichste Moment des Stücks – und man sieht, wie dem Jungen aus Liebe das Einzige verboten wird, was er noch von sich zeigen kann. Nicht aus Kälte. Aus Liebe. Aus einer Angst, die sich anfühlt wie Schutz.

Ich saß im Dunkeln und kannte die Sätze des Jungen. Nicht aus dem Theater – aus den Nächten am Telefon. Dort sagen Menschen sie uns, manche zum ersten Mal laut. Am Telefon sitzt niemand, den der Satz zerstören könnte. Vielleicht rufen manche genau deshalb an. Der Satz darf ausgesprochen werden und stehen bleiben, so schwer er ist.

Im Programmheft kommt eine Fachfrau für Suizidprävention zu Wort. Es sei ein Irrglaube, sagt sie, dass man dunkle Gedanken weckt, wenn man offen nach ihnen fragt; das Gegenteil stimme. Ein Notsignal, sagt sie, sucht dringend einen Empfänger. Ich habe das Heft mit nach Hause genommen.

Ob der Junge im Stück zu retten gewesen wäre, weiß ich nicht. Das Stück behauptet es auch nicht. Es zeigt Menschen, die einander lieben und einander nicht erreichen – und wie viele gut gemeinte Sätze zudecken können, was einer noch zeigen wollte.

Am Schluss stellt sich der Vater vor, was hätte werden können: Der Sohn, erwachsen, überreicht ihm seinen ersten Roman, mit einer Widmung. Es ist die schönste Szene des Abends, und sie hat nie stattgefunden. Auf der letzten Seite des Programmhefts stehen Telefonnummern, für junge Menschen und für Eltern. Unsere ist darunter.

Nach einem Besuch von Florian Zellers Schauspiel „Der Sohn“ (Le Fils), Deutsch von Annette und Paul Bäcker.

Lärm im Haus
Nach einer Lektüre.

Ich lese einen alten, fremden Text. Er ist gut hundert Jahre alt und tut, als wäre er noch viel älter: Ein Arzt legt ihn einem Lehrer aus dem zweiten Jahrhundert in den Mund.

Entstanden sein soll er so: Das Haus des Arztes war voller Gespenster, es lärmte darin. Dann setzte er sich hin und begann zu schreiben. Da verschwanden die Gespenster.

Vieles in dem Text bleibt mir fremd: Fülle und Leere, Götter mit dunklen Namen, Licht und Finsternis. Ich gehe hindurch wie durch ein sehr altes Haus, vorsichtig, ohne alles zu verstehen.

Aber mitten darin steht ein Gedanke, der mir bekannt vorkommt: dass Leben Unterscheiden heißt. Dass etwas in uns abstirbt, wo wir aufhören zu unterscheiden. Der alte Text sagt es dunkler und größer. Aber er sagt es.

In Gesprächen ist es oft eine einzige Unterscheidung, die etwas in Bewegung setzt. Was einer getan hat, ist nicht alles, was er ist. Eine gute Unterscheidung nimmt nichts weg. Sie macht aus einem wieder zwei.

Vielleicht sind die Gespenster damals deshalb verschwunden: Es hatte einer angefangen zu unterscheiden.

Angeregt durch: C. G. Jung, Septem Sermones ad Mortuos; die Entstehungsgeschichte nach: ders., Erinnerungen, Träume, Gedanken.

Seit ein paar Tagen
Nach einem Buch.

Seit ein paar Tagen steige ich Treppen anders. Nicht schneller, nicht langsamer – aufmerksamer. Schuld ist ein Buch.

Es stammt von einem Mann, der lange in Japan gelebt hat, und es behauptet etwas Einfaches und Unbequemes: Der Alltag sei keine Zwischenzeit, die vergeht, bis das Eigentliche beginnt. Er sei selbst das Eigentliche – wenn man ihn übt.

Üben heißt in diesem Buch nicht: mehr tun. Kein neues Programm, keine besonderen Stunden. Es genügt, was ohnehin geschieht – aufstehen, gehen, essen, sprechen. Nur eben nicht nebenbei. Es kommt nicht darauf an, was einer tut, sagt das Buch. Es kommt darauf an, wie.

An meine Dienste habe ich dabei zuerst gar nicht gedacht. Dann fiel mir auf: Auch dort wiederholt sich manches – nicht die Gespräche, aber ihr Anfang: die gleiche Meldung. Man kann das Routine nennen. Üben heißt nicht: etwas anderes tun. Üben heißt: das Gleiche anders tun.

Ich habe noch viele Treppen vor mir. Seit ein paar Tagen ist mir das recht.

Angeregt durch: Karlfried Graf Dürckheim, Der Alltag als Übung. Vom Weg zur Wandlung.

Wer nicht anruft
Nach einem Aufsatz.

In einer Zeitschrift für Seelsorge lese ich einen Aufsatz über eine Schule der Familientherapie. Vieles darin ist mir neu. Ein Gedanke geht mir seither nach.

Diese Schule nimmt für alle Partei, die zu einer Familie gehören – auch für die, die beim Gespräch nicht dabei sind. Sogar für die, die noch nicht geboren sind: Auch auf sie kommt, was heute entschieden wird.

Am Telefon gilt etwas Ähnliches, nur schärfer. Anrufen kann nur einer. Vorkommen tun viele. Eine Mutter, ein Bruder, eine frühere Freundin – sie werden erzählt, und sie können nichts dazu sagen.

Der Aufsatz macht mir kein schlechtes Gewissen. Aber seither sehe ich es, wenn jemand, der nicht mit am Telefon ist, zum Bösewicht der Geschichte wird. Verteidigen muss ich ihn nicht. Ich kann dem Bild nur eine Tür offen lassen.

Neulich, nach einem Gespräch, habe ich an eine Frau gedacht, die gar nicht angerufen hatte.

Angeregt durch: Günther Emlein, Die Welt der relationalen Ethik, in: Wege zum Menschen 2/2026.

Geduld, zum Beispiel
Nach einem zweiten Aufsatz.

Im Heft stand noch ein zweiter Aufsatz, diesmal über die Frage nach dem Sinn. Ein Gedanke daraus ist mir geblieben.

Ein Mensch kann etwas geben, das er selbst nie bekommen hat. Er kann eine Kette bei sich enden lassen – nicht, indem er vergisst, was war, sondern indem er anders weitergibt, als ihm gegeben wurde.

Am Telefon erzählen mir Menschen manchmal, was ihnen alles nicht gegeben wurde. Und dann, noch während sie erzählen, geben sie es: Geduld mit den eigenen Kindern. Milde für Eltern, die selbst keine hatten. Sie nennen es nicht so. Aber es ist genau das.

Man kann geben, was man nie bekommen hat. Von außen sieht man ihm das nicht an.

Das Heft liegt noch auf dem Schreibtisch. Ich bin noch nicht durch.

Angeregt durch: Tobias Hanifl, Sinn finden im Angesicht von Leid, Schuld und Tod, in: Wege zum Menschen 2/2026

Alte Worte
Nach einem Bericht.

Ein Pastor berichtet, wie er einen Mann begleitet hat, der entschieden hatte, sein Leben zu beenden. Er war dabei, bis zuletzt, und Wochen später auch am Grab. Sein Bericht ist genau, vorsichtig und ehrlich – auch mit sich selbst.

Am Grab wurde ein altes Kirchenlied gespielt, das der Mann sich gewünscht hatte – eines über die Sünde des Menschen. Danach sagte der Pastor, was hier Sünde sei, könne er nicht beurteilen. Aber neben allem, was so heißen mag, gebe es vieles zu beweinen: dieses Sterben, dieses Leben, so manches, das nie geworden ist.

Beweinen. Beklagen ja, bedauern auch – aber beweinen? Das Wort gibt es kaum noch. Der Pastor gebraucht es ohne Scheu, und es meint bei ihm kein Urteil und keine Schwäche, sondern eine Fähigkeit.

Viele, die anrufen, entschuldigen sich für ihre Tränen. Seit diesem Bericht denke ich dann: Hier weint keine Schwäche. Hier beweint jemand etwas, das ihm viel wert war.

Beklagen kann man vieles. Beweinen nur, was einem etwas wert war.

Es ist ein altes Wort. Vielleicht nehme ich es wieder in Gebrauch.

Angeregt durch: Florian-Sebastian Ehlert, »O Mensch, bewein dein’ Sünd groß«, in: Wege zum Menschen 1/2026.

Aquarell einer Meeresschildkröte, die dem Licht entgegenschwimmt

Wo Erklärung und Schweigen beide möglich sind, prüfe zuerst das Schweigen.
Where both explanation and silence are possible, attend to the silence first.

Dieselbe Zurückhaltung trägt auch diese Seite: lieber zu wenig als zu viel.
The same restraint holds for this page, too: better too little than too much.

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